... wie es weiterging

Zwischen der Veröffentlichung des Textes auf meiner Facebook-Seite und der Veröffentlichung in der Zeitung vergingen einige Wochen. In dieser Zeit fühlte ich mich ziemlich großartig, denn ich hatte von meinen Freunden und Folgern jede Menge Zuspruch bekommen. Doch das Warten machte mich nervös. Der Artikel wurde noch nicht in der Zeitung veröffentlicht und der geeignete Praktikumsplatz war auch noch nicht gefunden. Was mich an der Sache so verzweifeln ließ, war, dass ich sehr wohl schon mehrere Angebote bekommen hatte, diese aber immer wegen nicht gegebenen Selbstverständlichkeiten wie der Begleitung durch eine Assistenz oder dem Vorhandensein einer Behindertentoilette absagen musste.

 

Dann endlich: Am Donnerstag, dem 9. März 2017, erschien der Artikel in der Märkischen Allgemeinen. Ich selbst bekam das erst gar nicht mit, bekam am Morgen nur einen Anruf. Am Abend, wir kamen gerade von der Internationalen Tourismusbörse, wollte ich den Artikel online einmal selbst lesen. Doch was war das? Ich sollte bezahlen? Das war es mir dann doch nicht wert, ich hatte den Text ja selbst geschrieben und einen Vorab-Artikel per Mail erhalten. Also ging ich ruhigen Gewissens schlafen, nicht ahnend, was mich morgen erwarten würde.

 

Am nächsten Tag, es musste so gegen 10:30 Uhr gewesen sein, berief meine Ausbilderin ein "Kriesengespräch" ein. Nie hätte ich gedacht, dass es dabei um mich gehen sollte. Wie sich dann aber herausstellte, hatte sie den Artikel mittlerweile auch gelesen. Von drei Leuten wurde ich beschuldigt, mit meinem Text der Einrichtung, in der ich meine Ausbildung absolvierte, zu schaden. Und dass nur, weil ich geschrieben hatte, dass der Weg in ein Berufsbildungswerk für mich der Weg des geringsten Widerstandes bedeutete. Aber das stimmte doch! Nach so vielen gescheiterten Bewerbungen habe ich nachgegeben und mich im Berufsbildungswerk anmelden lassen. Es war eine Anmeldung, kein Vorstellungsgespräch oder Eignungstest nötig, bei dem man um das Angenommenwerden bangen muss. Und auch, wenn ich heilfroh bin, dass heute alles so ist, wie es ist, vertrete ich diese Meinung doch weiterhin. Das Ende vom Lied war, dass man nicht mehr darüber sprach und sobald man es aus Versehen doch tat, bekam man einen eisigen Blick zu spüren. Das ist heute noch so. Aber ich kann damit leben, eine Entschuldigung wäre unangebracht, denn es tut mir nicht leid! Ich bin froh, dass ich mir das alles mal von der Seele geschrieben habe. Menschen auf Facebook schrieben mir, dass ich genau das ausgesprochen hatte, was auch sie dachten. Es gab rege Diskussionen zum Thema! Meine Mission war hiermit erfüllt, denn ich habe nicht nur meinen Ärger bereinigt, sondern ein zentrales Thema für viele Menschen mit Beeinträchtigung in der Öffentlichkeit platziert! 

 

Doch was wurde nun aus dem Praktikum? Tatsächlich meldete sich eine Stiftung auf den Artikel, die Aufgaben waren allerdings unpassend. Schlussendlich, nach noch einigen Diskussionen meinerseits, habe ich einen Vertrag für sieben Monate im Sanitätshaus unterschrieben. Das Praktikum wurde für mich organisiert. Ich bin nicht ganz glücklich darüber, denn ein Sanitätshaus ist ja wenig touristisch. Aber zumindest arbeite ich im Veranstaltungsbereich. Was nun wird? Wir werden sehen. Auf jeden Fall werde ich mein Bestes geben! Auch weil ich weiß, dass ich zwar nicht von einem Unternehmen gewollt wurde und das Praktikum dann dort ausführen konnte, ich aber ein deutliches Zeichen gesetzt habe!